IC 4604 liegt im Sternbild Skorpion und gehört zu einer der eindrucksvollsten großflächigen Staub- und Nebelregionen unserer Milchstraße. Die Aufnahme zeigt ein mehrere hundert Lichtjahre großes Gebiet aus Reflexionsnebeln, Dunkelwolken und interstellarem Staub in einer Entfernung von etwa 400 bis 600 Lichtjahren zur Erde.
Links im Bild dominiert Antares, ein roter Überriese mit ungefähr 700 Sonnenradien Durchmesser. Würde man ihn an die Stelle unserer Sonne setzen, würde seine Oberfläche weit über die Umlaufbahn des Mars hinausreichen. Sein warmes Licht bringt die umliegenden Staubwolken zum Leuchten und erzeugt die charakteristischen goldenen und bernsteinfarbenen Strukturen der linken Bildhälfte.
Rechts erstrecken sich die Reflexionsnebel IC 4604 und IC 4603. Die bläulichen Bereiche entstehen dadurch, dass feiner interstellarer Staub bevorzugt das blaue Licht junger Sterne reflektiert. Dazwischen liegen dichte Dunkelwolken, die große Teile des Hintergrundlichts absorbieren und dadurch die markanten schwarzen Strukturen formen. Diese Staubkomplexe besitzen Ausdehnungen von vielen Lichtjahren und gehören zu den großräumigen Materiewolken innerhalb unserer Galaxie.
Besonders auffällig ist auch der rötliche Nebel im oberen Bildbereich nahe des hellen Sterns Sigma Scorpii. Dabei handelt es sich um den Emissionsnebel IC 4628, häufig auch als „Prawn Nebula“ bezeichnet. Das rötliche Leuchten entsteht durch ionisierten Wasserstoff, der von energiereicher Strahlung junger heißer Sterne zum Leuchten angeregt wird. IC 4628 liegt mit etwa 6000 Lichtjahren Entfernung deutlich weiter entfernt als die umgebenden Staubwolken der Antares-Region und bildet dadurch einen faszinierenden Tiefeneindruck innerhalb des Bildfeldes.
Gerade diese unterschiedlichen Entfernungen machen die Region besonders spannend: Während sich die dunklen Staubwolken und Reflexionsnebel vergleichsweise nahe innerhalb unseres lokalen Spiralarmes befinden, liegt der rötliche Wasserstoffnebel bereits tief eingebettet in weiter entfernten Bereichen der Milchstraße. Dadurch entsteht ein außergewöhnlich plastischer Blick entlang verschiedener Ebenen unserer Galaxie.
Die Aufnahme entstand unter schwierigen Bedingungen bei starkem Mondlicht und basiert auf vergleichsweise kurzer Gesamtbelichtungszeit. Ziel der Bearbeitung war es, die natürliche Atmosphäre und die großflächigen Staubstrukturen möglichst authentisch zu erhalten, ohne die feinen Übergänge durch aggressive Hintergrundkorrekturen oder übermäßige Kontrastverstärkung zu zerstören.
- Aufnahme: Dominik Poplutz
- Bearbeitung: Ich
- Datum: 23.05.2026
- Teleskop: SVBony SV555
- Kamera: ZWO Asi2600c
- Filter: kein Filter
- Belichtung: 4h
- Software: Siril, Paint.net